Vernetztes und virtuelles Lernen. Ein Rückblick und Erfahrungsbericht.

Lernen war für mich schon immer ein Prozess, der nur zum Teil steuerbar ist. Denn Lernen ist für mich nicht nur, das sich Merken von Informationen und das Aneignen von Fachwissen, sondern darauf basierend, meine eigenen Ideen zu entwickeln. Mein Weg zu lernen war schon immer lesen, ausprobieren und darüber sprechen. Ausschließlich zu lesen, hat bei mir noch nie geklappt. Ich erinnere mich an die Schule als ich mir Wissen aneignen musste und oft keine Möglichkeit hatte, auszuprobieren und darüber zu sprechen. Das endet in dem Auswendiglernen von Karteikarten, aber ohne jegliche Anknüpfung an die Praxis.

Auch im beruflichen Kontext war ich nie gut darin, mir Dinge anzueignen für den Fall, dass ich sie mal brauche. Hier hat für mich immer die Methode gewirkt zu wissen wo es steht, wenn ich es brauche. Nachhaltig gemerkt, habe ich mir die Dinge erst, wenn ich sie auf eine Aufgabe bezogen angewendet habe. Lernen habe ich außerdem lange ausschließlich mit dem Lesen von Büchern und mit Seminarräumen verbunden. Es gab für mich immer einen Fachexperten, der aus Erfahrung heraus oder auf akademischer Grundlage, sein Wissen vermittelt und ich habe dann, wenn es gut lief, etwas für mich daraus weiterentwickelt. Spätestens mit dem Aufkommen von WOL (Working Out Loud) wird mehr und mehr klar, dass es viel wirkungsvoller ist, diesen linearen Ansatz weiter zu entwickeln.

Die Wende in meinem persönlichen Lernverhalten

Meinen Blog habe ich hauptsächlich gestartet, um mein Wissen zu teilen. Ich wollte meine Werte und Methoden für die Personalauswahl anderen Personalverantwortlichen und Führungskräften näherbringen. Recht schnell entdeckte ich aber auch, dass das Schreiben meines Blogs mir auch die Aufgabe bot, die ich brauchte, um mich konsequent in Themen einzuarbeiten. Denn ich hatte immer im Hinterkopf, dass ich dazu ja einen Artikel schreiben will. Jedoch schrieb ich am 22.04.2018 noch: „Ich bin mir auch noch nicht sicher wo das für mich hinführen soll, ob Twitter, LinkedIn und Co irgendwann doch mein Interesse wecken können.“

Nur sechs Monate später kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, nicht mehr auf Twitter zu sein, weil ich dort ein sehr wertvolles Netzwerk gefunden habe, welches ich keinesfalls mehr missen will. Warum schreibe ich gerade jetzt ganz aktuell über vernetztes virtuelles Lernen? In den drei Monaten, die ich jetzt auf Twitter bin, habe ich immer wieder Fragen gestellt und wertvolle Antworten erhalten, die mir in meinem Arbeitsalltag weitergeholfen haben. Ich habe von anderen Menschen in anderen Unternehmen, die diese Themen schon bewegt haben, gelernt und mir das für mich Passende dazu rausgesucht und weiterentwickelt. Über die Frage, wie Mitarbeiter Veränderungen herbeiführen können, habe ich beispielsweise hier auch schon geschrieben.

Mein persönlicher Mehrwert für meine Arbeit

Dann kam der Tag an dem eine ganz konkrete Aufgabe an mich herangetragen wurde, zu der ich zwar schon einiges an Vorwissen hatte, jedoch mir noch nicht sicher war wie ich sie umsetze. In meinem Unternehmen gab es aber keinen, der schon so tief im Thema drinsteckte, dass ich mich hätte austauschen können. Nach meinen positiven Erfahrungen mit meinem virtuellen Netzwerk, bat ich also um Unterstützung, mich mit Menschen zu vernetzen, die bereits Erfahrung mit der Fragestellung hatten.

Es war der Wahnsinn was dann passierte! Mir wurden tatsächlich mehrere Menschen genannt. Diese Menschen waren sehr hilfsbereit und wir verabredeten, kurzfristig Telefonate, um uns austauschen. Ich hatte also plötzlich die Möglichkeit, dass aus meinen virtuellen Kontakten, telefonische Kontakte wurden. Diese Telefonate dauerten durchschnittlich nur 30 Minuten, aber jeder meiner Gesprächspartner gab mir wertvolle Impulse und eröffneten mir neue Perspektiven. So wurde mein Konzept von einer abstrakten Idee immer konkreter. Ich hatte auf einmal ein virtuelles Team, an welches ich mich wenden konnte. Dieses war außerhalb meines Arbeitsplatzes, ich hatte mit ihnen vorher noch nie gesprochen und   es ist spontan aus meinem bereits aufgebauten Netzwerk entstanden.

Ein neuer Team- und Netzwerkgedanke

Der Begriff Team hat eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen. Es kann nicht nur mein Team auf der Arbeit sein. Es können Menschen zu meinem Team gehören, die sich für die gleichen Themen interessieren, an den gleichen Fragestellungen arbeiten und einen Mehrwert darin sehen, sich außerhalb ihrer Organisationen auszutauschen. Letztendlich haben wir doch alle recht ähnliche Herausforderungen in unserer täglichen Arbeit, denen wir uns stellen müssen. Der Vorteil von virtuellen Teams und Plattformen wie Twitter ist: sie sind immer da. Ich muss nicht erst mühsam in meiner Organisation die relevanten Leute identifizieren, dann einen Termin finden und einen Raum buchen. Sondern die Kommunikation läuft zeitversetzt, wer gerade Zeit und Lust hat, bringt sich ein und um den Austausch zu intensivieren, wird zum Telefonhörer gegriffen.

Netzwerke waren auch früher schon wichtig, jedoch wurden sie für mein Gefühl oft eher dafür genutzt, informell die eigene Karriere voran zu treiben, ohne sich an offizielle Bewerbungsprozesse halten zu müssen. Heute wird in diesen Netzwerken auch oft gelernt und findet ein intensiver Austausch statt. Es ist jedoch extrem zeitaufwändig, wenn man sich außerhalb des eigenen Unternehmens ein persönliches Netzwerk aufbauen will. Denn jeden Abend von Veranstaltung zu Veranstaltung zu tingeln, ist zwar spannend, aber auch ermüdend. Mit meinem digitalen Netzwerk kann ich jeden Tag kommunizieren. Eben mal schnell zwischendurch bei einem Kaffee, eine Frage stellen oder auf eine Frage von anderen antworten.

Natürlich können sich auch hier Zeitfresser verstecken. Ich selber habe mir inzwischen einige Regeln auferlegt, um meine Aufmerksamkeit zu fokussieren. Mein Handy ist komplett lautlos, sodass ich nicht in Versuchung gerate bei jedem Ping drauf zuschauen. Ab 21.00 Uhr spätestens, lege ich es beiseite und konzentriere mich auf nicht beruflich und nicht digitale Themen und lasse den Tag ausklingen.

Der Mix aus online und offline macht es aus

Für mich macht es der Mix aus digitalen und persönlichen Netzwerken. Die Aufgabe von der ich oben schrieb, habe ich auch noch meinem Offline-Netzwerk vorgestellt und ganz analog diskutiert. Wohlgemerkt handelt es sich hierbei auch um Menschen, die nicht meiner Organisation angehören, sondern um Menschen, die sich für das gleiche Thema interessieren. Wir unterstützen uns gegenseitig, mit unseren konkreten Anliegen voran zu kommen. Der Unterschied ist, dass hier nochmal ganz anders, auch vertraulich, gesprochen werden kann als das online in einem öffentlichen Netzwerk passieren kann. Daher will ich diese Form des persönlichen offline Netzwerkens auch nicht aufgeben.

Die Konstante ist, dass Lernen für mich immer noch das Lesen, Ausprobieren und darüber Sprechen ist. Nur jetzt nicht mehr ausschließlich offline, sondern auch online. Mein Netzwerk hat sich immens vergrößert, da es sowohl offline als auch online ist. Ich muss die Leute nicht mühsam finden und ansprechen, sondern sie werden von selbst auf mich aufmerksam, da ich online vielfältige Möglichkeiten habe, mich zu zeigen und mein Anliegen darzulegen. Es verbirgt sich also ein riesiges Potenzial hinter der Nutzung von Online-Plattformen für das Vernetzen und das Lernen. Es muss nur genutzt werden.

Dieser Artikel ist insbesondere meinem virtuellen Team gewidmet. Ich freue mich, wenn ich euch auch offline bald mal kennenlerne.

 

1 Kommentar zu „Vernetztes und virtuelles Lernen. Ein Rückblick und Erfahrungsbericht.“

  1. Hallo Katharina, vielen Dank für deinen Blogartikel. Ich glaube, dass viele Menschen diese Erfahrung und Lernreise noch vor sich haben. Ich persönlich merke bei mir, dass ich noch kein gutes Gefühl Verhältnis zu online und offline habe. Die Regel, ab 21:00 Uhr das Handy wegzulegen finde ich sehr gut. Ich brauche für mich noch eine Regel, wenn ich es überhaupt einschalte.

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