Wie wird man eigentlich Scrum Master?

Seitdem ich meine Scrum Master Zertifizierung auf Scrum.org absolviert habe, wurde ich nun schon mehrfach gefragt, wie ich das geschafft habe, ohne aus dem IT-Bereich zu sein und ob ich noch tolle Tipps hätte. So dachte ich mir, wenn das offensichtlich so spannend ist, warum nicht einen Artikel darüber schreiben und meine Erfahrung teilen.

Wie ich zu Scrum gekommen bin

Durch zwei Fragestellungen bin ich zu Scrum gekommen. Zum einen habe ich mich oft über die Lieblosigkeit von HR IT-Systemen geärgert, insbesondere sind Bewerbermanagement-Systeme oft ein Graus und stehen in der Candidate Experience nicht gut da. So habe ich angefangen, mich für das Thema IT und HR zu interessieren und habe mit verschiedenen ITlern Kontakt aufgenommen. Zum anderen befand ich mich in meinem Sabbatical und stellte mir grundsätzlich die Frage: was kann ich besonders gut, was mache ich besonders gerne und in welchem Kontext (über HR hinaus) könnte ich solche Tätigkeiten ausüben.

Zunächst habe ich im persönlichen Gespräch von einem agilen Entwickler erste Informationen zu Scrum erhalten und mein Interesse war geweckt. Daher fuhr ich zu einer großen Veranstaltung nach Köln für Product Owner, die explizit auch Nicht-ITler und (noch) nicht-agile Menschen ansprach und diese mit ITlern und schon agilen Menschen zusammenbringen wollte. Hier hatte ich die Möglichkeit mit vielen verschiedenen Menschen zu sprechen und war absolut positiv überrascht über die Hilfsbereitschaft hinsichtlich meiner beiden oben genannten Fragestellungen.

Lernen mit einem Ziel vor Augen

Ich persönlich lerne besser, wenn ich ein konkretes Ziel vor Augen habe auf das ich hinarbeite. So habe ich zuerst den Scrum Guide vor dem Hintergrund gelesen wie der Prozess auf Recruiting übertragen werden könnte und ob ich etwas aus der Rolle des Product Owners auf den Recruiter übertragen kann, um die Auswahl und Betreuung von Bewerbermanagementsystemen zu verbessern. Mit der Einladung auf der CeBIT darüber einen Vortrag zu halten, kam noch etwas mehr Schwung in das Thema.

Zeitgleich beschloss ich, dass ich die Zertifizierung zum Scrum Master auf Scrum.org ablegen, mir aber das Geld für ein Vorbereitungsseminar sparen möchte. So begann die Suche nach Informationsquellen über den Scrum Guide hinaus. Besonders wertvoll fand ich YouTube, insbesondere den Scrum Channel. Als Hörbuchfan fand ich natürlich auch Podcasts wie „Mein Scrum ist kaputt“ besonders toll, um mir Wissen anzueignen. Natürlich gibt es auch tolle Blogs. Ein besonders spannender Artikel ist auf Agile Trail zu finden: 42 Tasks for a Scrum Master’s Job.

Scrum ist das erste Thema, dem ich mich komplett ohne das Lesen von Büchern im Papierformat genähert habe. Also Buchemfehlungen, nach denen ich auch schon gefragt wurde, kann ich daher nicht geben. Um mein Wissen zu prüfen, absolvierte ich mehrfach das Selfassessment. Als bekennende Netzwerkerin wollte ich aber natürlich insbesondere nach der Erfahrung in Köln auch mit Menschen aus der Szene in Hannover in Kontakt kommen. So fand ich heraus, dass Hannover sogar schon einige Veranstaltungen in dieser Hinsicht zu bieten hat, z.B. die Agile Practitioners Hannover und der Agile Wednesday Hannover. Beide sind auf Xing auch als Gruppe vertreten.

Erfolgsfaktor Netzwerk

Ein wichtiger Erfolgsfaktor, dass ich die Zertifizierung auch bestanden habe, war jedoch mein Netzwerk. Ich hatte das Glück, dass ein agiler Coach sich bereit erklärte, mich noch mal für 1,5 Stunden auf Herz und Nieren zu prüfen und offene Fragen zu klären bevor ich mich für den Test anmeldete. Denn nur mit dem Auswendiglernen des Scrum Guides ist es nicht getan. Einige sehr IT-spezifische Fragen kommen ebenfalls vor und die hätte ich ohne dieses Vorabgespräch nicht beantworten können.

Das agile Mindset als Voraussetzung

Scrum Master bedeutet für mich jedoch nicht nur, die Zertifizierung zu machen und damit zu beweisen, dass ich mich intensiv mit dem Prozess beschäftigt habe. Es gehören auch nicht nur das Lernen der Vokabeln und Methoden dazu, sondern insbesondere ein Mindset. Mit diesem Mindset erschließen sich viele Fragen, die im Test gefragt werden. Aber dieses Mindset ist auch für die spätere Arbeit als Scrum Master wichtig. In der Literatur habe ich folgende Definition des agilen Mindsets gefunden:

  • Fokus auf funktionierende und akzeptierte Lösungen
  • Cross-funktionale Teamarbeit
  • Sprints/Time-Boxing
  • Prototyping, Visualierung
  • Experimente/Bereitschaft zu Fehlern
  • Frühzeitiges und regelmäßiges Feedback
  • Iteration/Feedbackschleifen

(vgl. Jäger, W./Petry, T., 2018)

Muss ein Scrum Master ITler sein?

Je nachdem wen man fragt, bekommt man natürlich unterschiedliche Antworten. Die meisten sind sich jedoch darüber einig, dass eine große Komponente der Tätigkeit des Scrum Masters das Moderieren von Gruppen, das Steuern von Gruppenprozessen, das Coachen und ähnliche Tätigkeiten sind. Alles Dinge, in denen ich bereits Erfahrung mitbringe. Ich sehe es außerdem als Vorteil, dass ich mich nicht verleiten lassen kann in eine fachliche Diskussion zu geraten, da ich überhaupt nicht in der Tiefe in den IT-Themen drinstecke wie das Entwicklerteam Schließlich geht es darum, die Selbstorganisation des Teams zu fördern und nicht fachlich zu beraten. Vor diesem Hintergrund finde ich persönlich es durchaus sinnvoll, kein IT-Hintergrund zu haben. Was aus meiner Sicht jedoch vorhanden sein sollte, ist eine gewisse IT-Affinität und ein gewisses Interesse für IT-Themen. Zumindest, wenn man Scrum Master in der agilen Softwareentwicklung sein will. Scrum verbreitet sich zurzeit rasend auch in anderen Unternehmensbereichen.

Fazit

Das Charmante ist, dass die Zertifizierung recht günstig ist und online absolviert werden kann. Somit ist die Hürde ziemlich niedrig, wenn man Scrum Master werden möchte. Jedoch sollte grundsätzlich ein agiles Mindset sowie die Bereitschaft sich in IT-Themen einzuarbeiten, vorhanden sein. Ich suche nun Unternehmen, die in den unterschiedlichen Ausprägungen und Entwicklungsstufen Scrum praktizieren. Ich möchte gerne hospitieren und dadurch meinen Erfahrungsschatz erweitern. Falls unter meinen Lesern jemand ist, der jemanden kennt, der jemanden kennt, freue ich mich über eine Nachricht.

Literatur: Jäger, W./Petry, T.: Digital HR – Ein Überblick. In: Petry, Thorsten/Jäger, Wolfgang (Hrsg.): Digital HR. Smarte und agile Systeme, Prozesse und Strukturen im Personalmanagement. Haufe. 2018

 

3 Kommentare zu „Wie wird man eigentlich Scrum Master?“

  1. Hallo Katharina,
    danke für den interessanten Eintrag!
    Auf der Suche nach einer Hospitation befinde ich mich auch grade. Mich würde daher sehr interessieren, wie du an eine geeignete Stelle zur Hospitation gekommen bist.
    Ich freue mich sehr, wenn ich von dir höre
    VG aus Bonn
    Rike

  2. Hallo Rike, vielen Dank für deine Rückmeldung. Über den offiziellen Weg hat es bei mir mit einer Hospitation nicht geklappt. Über private Kontakte wurde es erst möglich.

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