Und plötzlich waren wir zu viert

Es ist wieder Weihnachtszeit und, wie ich finde, auch wieder Zeit für eine Weihnachtsgeschichte. Ich habe es als Kind geliebt, dass meine Mutter uns unter dem Weihnachtsbaum am Heiligen Abend immer vorgelesen hat. Nun, da das erste Enkelchen (meine Nichte) alt genug für Geschichten ist, wird es dieses Jahr wieder eine geben. Ich freue mich schon richtig, habe ich es in den letzten Jahren doch irgendwie vermisst ohne es zu wissen.

Meine Mutter suchte jedes Jahr eine neue Weihnachtsgeschichte aus. Es handelte sich meist um besondere Erfahrungen, um Nächstenliebe oder inneres Wachstum und Weiterentwicklung. Für mich gab es dieses Jahr durch die Geburt unserer Zwillinge eine riesige große persönliche Weiterentwicklung. Die Erkenntnisse und Veränderungen, die daraus entstanden sind, möchte ich gerne mit euch teilen.

Als mein Mann und ich erstmals über unsere Familienplanung sprachen, haben wir beide auch formuliert, was uns wichtig ist. Ein wichtiger Punkt war, dass es uns beiden wichtig ist, sich gleichberechtigt sowohl beruflich weiterzuentwickeln als auch unsere Rolle in der Familie einzunehmen. Wir beschlossen daher, die Elternzeit gerechter zwischen uns aufzuteilen. Das war eine der besten Entscheidungen, die wir getroffen haben.

Meinem Mann und mir ist es wichtig, dass wir uns beide sowohl beruflich weiterentwickeln als auch unsere Rolle in der Familie einnehmen können. Klick um zu Tweeten

Stell dir vor jedes Elternteil würde gleich viel gesellschaftliche Anerkennung genießen

In der Schwangerschaft wurden wir natürlich häufig gefragt wie wir das mit der Elternzeit machen wollen, insbesondere als klar war, dass es Zwillinge sind. Unter anderem hatten wir beschlossen, dass wir das erste halbe Jahr gemeinsam daheim bleiben werden. Irritierend fand ich, dass mein Mann viel mehr Anerkennung für unseren Plan erhielt als ich. Ich hingegen wurde eher gefragt, ob ich mir wirklich sicher sei, dass ich nach “nur einem Jahr schon” wieder in den Job will. Und das mit Zwillingen! Ich weiß wohl, dass es in unserer Gesellschaft unüblich ist, dass Männer so einen großen Teil Elternzeit nehmen, deswegen schreibe ich ja auch diesen Artikel. Befremdlich war es trotzdem.

Ich bin dankbar, dass es diese Dissonanz bei uns in unserer kleinen Familie nicht gibt. Im Gegenteil! Jedoch ertappe auch ich mich hin und wieder bei der Formulierung, dass “mein Mann mich mit den Kindern unterstützt.” Wieso unterstützt? Wir wollten Kinder, also tragen wir beide unseren Teil dazu bei! Ja, Sprache schafft Wirklichkeit. Hier darf ich noch ein bisschen besser aufpassen.

Bis partnerschaftliche und familiäre Gleichberechtigung in unser aller Köpfe verankert und sich auf in unseren Taten niederschlägt, ist noch ein ganzes Stück Weg zu gehen. Klick um zu Tweeten

Wie schaffst du das alles nur mit Zwillingen?

“Ich habe keine Erfahrung damit wie es ist mit “nur” einem Kind. Allerdings stelle ich es mir nicht weniger anstrengend vor sobald ein zweites dazu kommt, einen Zweijährigen und einen Säugling alleine zu versorgen.”

Das ist meine Standardantwort, wenn ich gefragt werde, wie ich das denn alles schaffe. Hauptsächlich wird mir  diese Frage allerdings von Frauen gestellt. Daher erläutere ich im nächsten Satz auch immer, dass ich mit den Kindern auch nicht alleine bin, sondern das gemeinsam mit meinem Mann mache und auch in meiner Mutter eine große Unterstützung habe. Es ist mir wichtig, dass in meinem Umfeld nicht der Eindruck entsteht, dass wenn frau nur gut genug organisiert ist, kriegt sie das schon alles unter einen Hut.

Eines habe ich in den ersten sechs Monaten mit den Kids nochmal verstärkt bemerkt: Ich bin fest davon überzeugt, dass ich nur eine gute Mutter und Ehefrau sein kann, wenn es mir gut geht. Auch wenn das häufig nicht einfach für mich umzusetzen ist. Das Leistungsprinzip ist tief in mir verankert, ebenso ein Bild von mir wie ich als Mutter zu sein habe.

Ohne die Carearbeit würde unsere Gesellschaft und auch unsere Wirtschaft gar nicht funktionieren. Wer kann denn morgens an seinem Arbeitsplatz pünktlich erscheinen, wenn er keine saubere Wäsche und kein Frühstück erhalten hat? Klick um zu Tweeten

Ganz ehrlich: Ich hätte nie erwartet, dass ich so tief verankerte Muster haben würde. Sich in der Elternzeit um seine Kinder zu kümmern, ist einfach keine anerkannte Leistung. Gut ist nur gut genug, wenn frau noch alles Mögliche andere nebenbei schafft.

Jeden Tag arbeite ich daran, meiner inneren Stimme zuzuhören. Wie geht es mir? Bin ich müde? Was sind meine Bedürfnisse? Was brauche ich jetzt? Und jeden Tag übe ich mich auch darin nicht die Falle zu geraten, dass andere vermeintlich alles viel besser im Griff haben als ich.

So auf meine Bedürfnisse zu hören, geht für mich nur, weil mein Mann und ich uns für eine gemeinsame Elternzeit entschieden haben. Wenn einer nicht mehr kann, dann springt der andere ein. Jeder kann alles und es gibt nichts, was nur Mama kann (außer vielleicht die Fingernägel an kleinen Babyhänden schneiden ;-)). Kommunikation mit meinem Umfeld und Strukturen schaffen, die uns unterstützen, sind das A und O.

Es ist wichtig, dass sich das Bild von Frauen wandelt, die einfach nur gut genug organisiert sein müssen, um Karriere und Familie unter einen Hut zu kriegen. Klick um zu Tweeten

Vor einigen Wochen ertappte ich mich sogar dabei, dass ich ohne nachzudenken im Gespräch sagte, ich war schon lange nicht mehr so zufrieden wie jetzt gerade in dieser Zeit und das obwohl draußen eine Pandemie tobt.

Was mir in meinem Leben wirklich wichtig ist

Meine Zeit und meine Finanzen reichen nicht aus, um mir alle Wünsche zu erfüllen, die ich habe. Daher stelle ich mir immer wieder die Fragen, was ist mir wirklich wichtig? Was kann ich mir zeitlich und finanziell leisten? Was für ein Leben will ich leben? Wir können nicht immer beeinflussen, was als nächstes in unserem Leben passiert und welche Umstände sich ergeben, aber wir können bewusst entscheiden wie wir damit umgehen und entsprechend unser Leben gestalten. Mit bewussten Entscheidungen können wir zufriedener sein, ohne neidvoll woanders hinzublicken.

Ich weiß, dass ich in einer sehr privilegierten Situation bin und doch ist die Entscheidung gemeinsam sechs Monate Elternzeit zu nehmen auch eine finanzielle Entscheidung. Von einem Elterngeld plus Zwillingsbonus zu leben, will durchgerechnet werden. Doch es zahlt auf meine innere Zufriedenheit und mein mentales Wohlbefinden ein und kurz: Es ist es uns wert, diese Zeit gemeinsam als Familie zu verbringen.

Wir haben uns für die gemeinsame Zeit mit unseren Kindern entschieden und verzichten dafür ein Stück weit auf Konsum. Klick um zu Tweeten

Fazit

Wie wäre es, wenn wir alle dieses Jahr unter dem Weihnachtsbaum säßen, die weihnachtliche Stimmung genießen, nicht gestresst sind, liebevoll miteinander umgehen und einfach weitestgehend mit unserem Leben zufrieden wären? Was brauchst du dafür, um dein Leben so zu gestalten, dass du zufrieden bist? Welche Entscheidung möchtest du treffen zugunsten für mehr Zufriedenheit? Eine Entscheidung im hier und jetzt! Keine Entscheidung, die mit “wenn dann” verknüpft ist. Ich weiß, dass Entscheidungen manchmal weh tun, wenn wir uns von Liebgewonnenen verabschieden und dass wir oft Angst vor der Veränderung haben. Doch genau daran können wir wachsen.

Was brauchst du, um von innen heraus zufrieden mit dir und deinem Leben zu sein? Was ist dafür wirklich wichtig? Klick um zu Tweeten

Insbesondere vor Weihnachten müssen wir uns auch aktuell wieder von vielem Liebgewonnenen verabschieden: Weihnachtsmarkt, Weihnachtsfeiern, in großer Runde gemeinsames Keksebacken etc. Es tut immer weh. Für mich ist Weihnachten eine Zeit der Besinnlichkeit, mit schöner Stimmung und Geschichten, mit der Familie. Konsum und Geschenke sind schon lange für mich in den Hintergrund getreten (Omas, Opas, Onkel und Tanten: Denkt dran jeder nur ein Geschenk für die Zwillinge :-))

Ich wünsche dir frohe Weihnachten und das du alles hast, was dir wirklich wichtig ist.

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