Nichts mehr verpassen?

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Liberating Structures für politisches Engagement

Menschen in einem Liberating Structures Workshop

Schon lange spielte ich mit dem Gedanken der Partei Bündnis 90/Die Grünen beizutreten. Nach dem Ampel-Bruch setzte ich es in die Tat um, um bei dem Bundeswahlkampf meinen Beitrag zu leisten. Mein Plan: stilles Mitglied sein, welches seinen Beitrag bezahlt. Als ich die Einladung zur nächsten Ortsverbandssitzung erhielt, ging ich aus irgendeinem Grund doch hin. Sie wurde im klassischen Gesprächsformat geführt: eine*r redet, die anderen hören zu und ich fand das ziemlich zäh. Nochmal würde ich bestimmt nicht hingehen, sagte ich mir.

Dann kam die Bundestagswahl und das für mich sehr enttäuschende Ergebnis der Grünen. Ich hatte aufgrund der positiven Resonanz bei Robert Habecks Wahlkampfauftritten, wo teilweise größere Hallen angemietet werden mussten, Hoffnung auf mehr gehabt. Die Wahlergebnisse sollten bei der nächsten Ortsverbandsitzung diskutiert werden und ich dachte „Bitte nicht so wie ich es beim letzten Mal erlebt habe“ und bot spontan in der Signal-Gruppe an, ob ich es moderieren dürfe. Der Vorstand sagte ja, obwohl sie mich kaum kannten. Und so fand meine erste Moderation mit Liberating Structures bei meinem Ortsverbandstreffen statt.

Erste Moderation mit Liberating Structures nach den Bundestagswahlen

Ich moderierte ein Impromptu Networking mit der Frage: „Wie geht es dir mit den Wahlergebnissen?“ und ein 1-2-4-All mit der Frage: „Was wollen wir besser machen?“ Das Feedback war für mich überwältigend. Diese Energie als alle anfingen zu sprechen; zu beobachten, wie alle den Raum hatten über ihre Gedanken und Gefühle zu sprachen und der Zusammenhalt als sie neue Pläne schmiedeten. Im Anschluss ein großes Dankeschön.

Ich bin auf einer Welle von Glückshormonen nach Hause geschwommen. So kann politisches Engagement also auch aussehen!!? Ich muss nicht Haustürwahlkampf machen oder auf dem Marktplatz Flyer verteilen. Ich kann das tun, was ich gut kann und was mir Spaß macht und so meinen Beitrag leisten. Ganz ehrlich: Ich tue es nicht nur für die Grünen, sondern ich tue es auch für meine eigene Psychohygiene. Jedes Mal, wenn mein Nervensystem wieder durchdreht bei dem was gerade in der Welt passiert, suche ich mir die nächste Aufgabe raus mit der ich in meinem Ortsverband einen Beitrag leisten kann.

Meine Herzensthemen für den Ortsverband

Neben der Moderation mit Liberating Structures sind meine wichtigsten Anliegen:
1. Die Integration von Neumitgliedern: Denn ich habe mich am Anfang verloren gefühlt. Ich wusste nicht wie läuft das hier? Ich bin auch nicht gut darin, einfach auf Leute zu zugehen und sie anzuquatschen, wenn ich sie nicht kenne.

2. Beteiligung ermöglichen: Ich habe zwei kleine Kinder und dann es abends einzurichten zum Ortsverbandstreffen zu gehen, ist nicht immer einfach. Daher treibe ich bewusst Themen wie asynchrones Arbeiten, eine transparente digitale Ablage und die Dokumentation der Ortsverbandsitzungen und der laufenden Projekte voran.

3. Gemeinschaft schaffen: Am aller wichtigsten finde ich es in diesen schwierigen Zeit, dass wir uns nicht allein fühlen. Ich möchte, dazu beitragen eine grüne Gemeinschaft/ ein grünes Netzwerk in unserer Stadt zu schaffen. Ein Ort wo sich Menschen mit ihren Gefühlen und Gedanken austauschen können. Ein Ort wo sie gemeinsam Pläne schmieden können.

Zum Glück bin ich damit nicht allein. Sondern es hat sich schnell die Arbeitsgruppe Mitgliederaktivierung gegründet in der ich gemeinsam mit anderen an diesen Themen arbeiten darf. Meine Erfahrung mit Liberating Structures zahlt sich für alle Bereich aus.

Weitere Liberating Structures Formate

Wir haben bei einer späteren Ortsverbandssitzung die Liberating Structure Purpose to Practise durchgeführt. Ziel war es den Mitgliedern des Ortsverbandes Orientierung zu geben, eine Arbeitsweise zu definieren und sich eine Agenda zu setzen, die für alle transparent ist.

Folgende Fragen haben wir bearbeitet:

  • Was ist der Sinn und der Zweck des Ortsverbandes?
  • Welche Regeln der Zusammenarbeit wollen wir uns geben – und welche sind ggf. auch vorgegeben?
  • Wie können und wollen wir uns in parteilichen Strukturen als Ehrenamtliche organisieren?
  • Welche Aktivitäten sind nötig, um unseren Sinn und Zweck zu erfüllen?

Die Ergebnisse haben wir digitalisiert und in der gemeinsamen Ablage hinterlegt. Sie sollen auch Neumitgliedern schnell Orientierung geben und regelmäßig reflektiert werden.

Gewinnung von Kandidat*innen für die Arbeit im Regionsverband

Ich wurde eingeladen auf einer Regionsversammlung ein Workshop-Format anzubieten, welches Kandidat*innen für die Arbeit im Regionsverband begeistert. Bisher liefen solche Veranstaltungen immer mit einer Folienschlacht ab in der ganz viele Informationen geteilt wurden. Ich moderierte für die Gruppe die Liberating Structures Celebrity Interview und 1-2-4-All, um die Menschen, die schon aktiv waren zu interviewen und die Fragen abzuarbeiten, die für die Gruppe wirklich relevant sind. Es war eine sehr interaktive Session mit viel Austausch und Diskussion in der jede*r Raum hatte seine/ihre Fragen zu adressieren.

Klausurtagung Fraktion und Ortsverband

Dann wurde ich zur jährlichen Klausurtagung eingeladen und habe natürlich gleich gefragt, ob ich das auch moderieren darf. Und ich durfte.

Folgende Liberating Structures haben wir genutzt:

  • Nine Whys: Fragestellung zu zweit: Für welche Themen setzt du dich aktuell ein und was tust du konkret dafür? Warum ist das Thema für dich (für die Grünen) wichtig? Fragestellung zu viert: welche Themen und Motive tauchen bei euch allen auf? Gibt es übergeordnete Anliegen? Sammeln in der Gruppe: Nennung der wichtigsten Aspekte und Gemeinsamkeiten.
  • 25/10 Crowd Sourcing: Ideen für Haushaltsanträge sammeln
  • Social Network Webbing: Vernetzung der Grünen in Langenhagen: Zu welchen Themen/Zielen wollen wir unser Netzwerk/unsere Sichtbarkeit stärken? Wer kennt wen? Wen wollen wir noch involvieren? Entwicklung von Strategien.

Das Feedback: So schnell sind wir noch nie durch die Klausurtagung gekommen. Wir haben so viel tolle Ergebnisse und so einen tollen Austausch gehabt. Statt wie geplant um 17:00 Uhr abzuschließen, haben alle ab 15:00 Uhr an einem Samstag die Sonne genossen.

Jahresrückblick

Ich finde es extrem wichtig, regelmäßig zu reflektieren und sich auch mal selbst auf die Schulter zu klopfen, was wir alles geschafft haben. Das gilt sowohl beruflich als privat und natürlich auch für das Ehrenamt. Daher habe ich für unsere letzte Sitzung im Dezember mir folgenden String (so nennt man die Abfolge mehrerer Liberating Structures) überlegt:

Im Prinzip war es ein klassisches 1-2-4-All. Jedoch habe ich das 1 mit einem Spiral Journaling ersetzt. Jede*r hat folgende Fragen für sich beantwortet:

– Welche Momente haben Energie gegeben?
– Was ist uns als Team richtig gut gelungen?
– Welche Herausforderungen haben wir gemeistert?
– Was wünschen wir uns für das kommende Jahr?

Das All habe ich durch die Liberating Structure Gallery Walk ersetzt. Die Vierer-Gruppe hat ihre Ergebnisse auf Post-Ist dokumentiert und auf vorbereitete Flipcharts angebracht. Gemeinsam haben wir die Ergebnisse gewertschätzt und sind in den Austausch gegangen. Zusätzlich habe ich für gemütliche Atmosphäre mit Tannenzweigen, Kerzen, Keksen und Punsch gesorgt. Weiterhin habe ich Dankeskarten ausgelegt und dazu eingeladen, dass jede*r sich überlegt, wem er/sie gerne danke sagen möchte. So hatten wir im Ortsverband einen sehr wertschätzenden und reflektierten Jahresabschluss und ich hatte die Rückmeldung, dass seit ich diese Methoden in den Ortsverband anwende, eine Professionalisierung der gemeinsamen politischen Arbeit erfolgt ist. „Wir schaffen wirklich was.“, war eine der Aussagen.

Jahresstart

Vor uns liegt ein Jahr mit einem Kommunalwahlkampf in Niedersachsen. Darüber hinaus merken wir, dass wir viele Ideen haben, aber häufig nicht die Kapazitäten sie (alle) umzusetzen. Der Überblick über den Status der verschiedenen Ideen geht schnell verloren und manche Ideen werden ganz vergessen. Um diesen Überblick und die Transparenz für alle zu schaffen, sind wir mit der Liberating Structure Ecocycle Planning ins Jahr gestartet. Mein Wunsch ist, dass wir auch unterjährig regelmäßig darauf schauen, um die wichtigen Themen im Blick zu behalten und zu verfolgen. Folgende Frage habe ich an die Gruppe gestellt: Welche Aktivitäten/Maßnahmen sollen in diesem Jahr stattfinden oder haben ausgedient?

Die vier Kategorien, in die wir die Ergebnisse einsortiert haben, habe ich etwas umbenannt zu wie sie original heißen, weil ich das passender fand.

  • Idee
  • In der Umsetzung/Entwicklung
  • Ausgereift/tragfähig
  • Ausgedient/ineffektiv

Dankbarkeit und Wertschätzung

Ich bin dankbar, diese Form des politischen Engagements für mich gefunden zu haben. Als Zeichen der Wertschätzung haben mir unsere Co-Vorsitzenden Sigrid und Diar eine Rezension für meine Webseite geschrieben, die ich hier gerne teilen möchte:

„Katharina hat unseren GRÜNEN Ortsverband mit großem Engagement begleitet und zahlreiche Sitzungen sowie eine Klausur zur zukünftigen Ausrichtung unseres Ortsverbands professionell moderiert. Mit einem breiten Methodenrepertoire und einer klaren, strukturierten Herangehensweise hat sie kreative Beteiligungsräume geschaffen, gemeinsame Ziele herausgearbeitetund konkrete nächste Schritte ermöglicht.

Besonders wertvoll waren ihre Formate zur Einbindung von Neumitgliedern sowie zur partizipativen Entwicklung unseres Wahlprogramms, bei denen sich alle Beteiligten gehört und wertgeschätzt fühlten. Katharina hat unseren Ortsverband lebendiger gemacht, den Zusammenhalt gestärkt und nachhaltige Impulse gesetzt. Wir können sie als Facilitatorin uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Ausblick

Aktuell bin ich im Gespräch mit dem Regionsverband der Grünen. Ich möchte die Liberating Structures auch in andere Ortsverbände bringen. Ich kann mir sowohl Formate vorstellen mit deren Hilfe ich Menschen aus den Ortsverbänden in die Liberating Structures einführe als auch, dass ich als Beraterin zur Verfügung stehe, dass sich alle an mich wenden können, um ihren String für ihre geplante Veranstaltung mit mir zu besprechen.

Weiterhin plane ich ein Vernetzungsformat mithilfe der Liberating Structures vor den anstehenden Kommunalwahlen zwischen verschiedenen Ortsverbänden, um voneinander zu lernen. Es soll um Best Practises zum Kommunalwahlkampf, Mitgliederaktivierung und Kommunikation gehen. Es muss ja nicht jeder Ortsverband das Rad für sich neu erfinden oder nur Einzelpersonen von persönlichen Kontakten profitieren. Ich finde es wichtig, dass wir voneinander lernen und übergeordnet Wissen miteinander teilen und uns bestmöglich unterstützen.

Ich empfinde es als sehr bereichernd, mich auf diese Art und Weise in meinen Ortsverband einzubringen. Mein Wunsch wäre, dass ich bis in den niedersächsischen Landtag gehört werde und mich dort ebenfalls mit den Liberating Structures einbringen kann. Ich bin mir sicher, dass sie eine Bereicherung für die politische Arbeit sind, weil sie Raum geben und Beteiligung ermöglichen. Sie schaffen Transparenz und Effizienz. Und sie schaffen eine Energie der Gemeinschaft. Nicht zu vergessen: Workshops und Meetings machen auf diese Art einfach mehr Spaß. Das finde ich in diesen herausfordernden Zeiten ebenfalls sehr wichtig.

Wenn du auch mit dem Gedanken spielst, dich auf diese Weise politisch zu engagieren, da die Liberating Structures für jede*n zugänglich sind und keine Ausbildung erfordern, dir aber noch unsicher bist, sprich mich gerne an. Wenn du ein*e erfahren*e Facilitator*in bist, sprich mich ebenfalls gerne an und lass uns Best Practise für die politische Arbeit austauschen.

Danke an die Grünen in Langenhagen für ihre Wertschätzung und ihr Vertrauen!

Alle hier genannten Formate kannst du auf liberatinstructures.de nachlesen. Wenn dich interessiert wie ich meine erste Session in 20218 mit Liberating Structures in der Usergroup moderiert habe, lies dazu gerne meinen Blogartikel.

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