Was zeichnet erfolgreiche Recruiterinnen und Recruiter in der VUCA-Welt aus?

Vor einiger Zeit habe ich über die Personalauswahl in der VUCA-Welt geschrieben. Da lag der Focus auf den Kandidat*innen, die wir für unser Unternehmen gewinnen wollen, um als gut gerüstet für die komplexen Anforderungen in unserer Wirtschaft zu sein. Heute lege ich den Fokus darauf, wie Recruiter*innen sich verhalten und was sie mitbringen sollten, um erfolgreich in der Personalauswahl zu sein und diese geeigneten Kandidat*innen zu finden und zu gewinnen. So viel vorweg, selbstverständlich braucht es Gestalter, denn Gestalter können nur von Gestaltern gefunden werden, davon bin ich fest überzeugt.

Immer wieder wird hinsichtlich Agilitätdarüber diskutiert, ob dies eine Methode oder eine Haltung ist? Was wäre die Methodik ohne die Haltung? Alle scheinen sich einig zu sein, dass die Haltung, das Mindset, die Einstellung wichtiger sind. Dies sollte aus meiner Sicht auch auf die Personalauswahl übertragen werden. Aus der Haltung, ein faires und valides Recruiting auf Augenhöhe gestalten zu wollen, ergibt sich meines Erachtens schon, dass diese Person sich auch das entsprechende Handwerkszeug aneignen wird. Sie wissen ja, dass ich eine Vorliebe für Verhaltensanker habe. Daher stellt sich auch hier die Frage: wie verhält sich so eine Person?

Beispiele für erfolgreiches Recruiter-Verhalten in der VUCA-Welt

  • Ist in Netzwerken aktiv, nutzt diese, um dort stets auf der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu sein.
  • Befindet sich auf einer kontinuierlichen Lernreise und schaufelt sich daher im operativen Tagesgeschäft Zeit frei, um selbstgesteuert zu lernen.
  • Ist bereit, loszulassen, seine eigenen Glaubenssätze hinsichtlich „guter“ und „schlechter“ Kandidatinnen und Kandidaten zu hinterfragen und ist dabei neugierig auf die Menschen, die ihm begegnen.
  • Ist bereit, neue Wege und Methoden des Recruitings auszuprobieren, auch wenn er Gefahr läuft, zu scheitern.
  • Ist in der Lage sich in seine Bewerberinnen und Bewerber hineinzuversetzen und nimmt deren Bedürfnisse ernst.
  • Denkt ganzheitlich und siloübergreifend, versucht dabei so viele Potenziale zu heben wie möglich. Wenn es für die eine Stelle nicht passt dann vielleicht für eine andere oder geht vielleicht sogar so weit, die Kandidaten auch im Netzwerk zu empfehlen.
  • Lebt Werte wie Transparenz, Vertrauen, Selbstverpflichtung, Fokus, Mut, Offenheit, Respekt.
  • Lebt Teamarbeit und Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen anstatt sich von dem Prozess treiben zu lassen.

Was bedeutet das in aller Konsequenz?

Auch Auswahlprozess für Recruiter müssen valide sein. Wichtiger als Fachsimpelei, schließlich ist man ja unter Kollegen, ist anhand konkreter Kriterien zu prüfen, stimmen die Werte und die Haltung mit dem überein was wir als Unternehmen bei uns leben. Recruiter stehen an der Stelle wo entschieden wird, ob ein Bewerber sich weiterhin für das Unternehmen interessiert oder nicht. Es ist auch die Stelle an der erkannt werden muss, ob der Kandidat zum Unternehmen passt oder nicht. Stellen Sie sich vor, Kandidaten verlieren das Interesse oder werden aussortiert, obwohl sie geeignet wären. Das wird in BWL-Terminus gerne als „Cost of lost opportunity“ bezeichnet. Das sollte eigentlich jedes noch so zahlengetriebenes Unternehmen verstehen.

Wie ich in meinem damaligen Artikel schon festgestellt habe, geht es darum die richtigen Fragen zu stellen. Allerdings nicht nur an die Bewerberinnen und Bewerber, sondern auch an mich als Person.

  • Welche Aufgaben können automatisiert/standardisiert werden und welche nicht?
  • Was kann ich tun, um unseren Recruitingprozess zu verbessern?
  • In welchen Netzwerken kann ich geeignete Kandidatinnen und Kandidaten finden?
  • Mit welchen Unternehmen kann ich regional zusammenarbeiten, sodass wir uns gegenseitig Kandidatinnen und Kandidaten empfehlen können?
  • Wie schaffe ich mir Freiräume, um mein Wissen aktuell zu halten?
  • Wie kann ich meinem persönlichen unconscious Bias entgegenwirken?

Ich habe nicht auf all diese Fragen eine allumfassende Antwort, aber ich bin täglich auf der Suche danach. Jeden Tag begegnen mir Widerstände, weil mein Schreibtisch vor Arbeit überquillt, ich kein Budget habe oder irgendjemand etwas ganz Wichtiges will, was unbedingt erledigt werden soll. Jedoch gibt es für mich drei Grundprämissen, die ich persönlich verfolge.

Einsatz des gesunden Menschenverstands und Empathie

Das bedeutet insbesondere für mich, ich mag es nicht eine Nummer im Bewerbungsprozess zu sein, also versuche ich auch anderen nicht das Gefühl zu vermitteln, egal wie meine Prozesse sind. Bewerbungsprozesse sind, bei aller Methodik, hoch emotional. Seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist für jeden Menschen essentiell wichtig und einen Arbeitgeber zu finden, der zu einem passt, weil man dort so viel Zeit verbringt, ebenfalls. Daher ist Empathie für Recruiter so eine wichtige Eigenschaft. Um es mit den Worten von John Stepper zu sagen: „Build relationships that matter“.

Leistung darf und sollte nicht mit Fleiß verwechselt werden

Wolf Lotter hat gerade einen ganz tollen Artikel [1] geschrieben in dem das auch Thema war. Für mich ist jedoch wesentlich, wer fleißig ist, lässt sich von den Anforderungen treiben und hat keine Zeit kreativ zu sein und zu reflektieren. Die wirklich guten Ideen entstehen jedoch durch Freiräume und Austausch. Und in einer VUCA-Welt brauchen wir diese Kreativität und Reflexion, da wir mit standardisierten Verfahren nicht dauerhaft weiterkommen.

Ein besseres Recruiting in meiner Organisation beginnt bei mir

Aus vergangenen Artikeln wissen Sie sicherlich, dass es mir wichtig ist, dass jeder selbst das Zepter in die Hand nimmt, um seine Arbeitswelt zu gestalten und dies gilt auch für uns Recruiter. Lassen Sie sich nicht von den Prozessen treiben, überlegen Sie sich, was Sie ohne Budget und Erlaubnis umsetzen können und seien Sie Vorbild für andere. Schon John Stepper hat in Bezug auf Working Out Loud gesagt: “Change can really start with you. Where will you go?”

Und wo werde ich hingehen? Ich werde nicht aufhören Fragen zu stellen. Fragen an mich selbst, an meine Mitmenschen, an meine Vorgesetzen. Was für Fragen haben Sie? Ich freue mich über einen Austausch.

[1] Hier geht es zum gesamten sehr lesenswerten Artikel von Wolf Lotter.

 

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